Visiting Hohner

Irgendwann im Netz habe ich Fotos gefunden, die mich fasziniert haben. Lost, alles lost, alte Autos, die vor sich hin rosten, ein ungepflegtes Grundstück, Fotos vom Inneren eines Hauses, die gleich klar machen: Hier kümmert sich niemand mehr um etwas. Die Fotos haben mir keine Ruhe gelassen und so fing ich an, zu recherchieren. Ich bin allen möglichen Hinweisen nachgegangen bis ich endlich wußte, wo dieses Haus steht. Und wenn du das einmal weißt und du weißt, dass es nicht am anderen Ende der Welt ist, dann willst du dahin.

Im Januar 2019 war es dann soweit, wir sind frühmorgens zu zweit aufgebrochen. Es regnete die ganze Fahrt über. So 10 km vor der Ankunft spürt man dann die Anspannung. Was werden wir vorfinden? Kommen wir überhaupt rein oder ist inzwischen alles abgeriegelt? MItten in einem modernen Wohngebiet liegt dieses verwilderte Grundstück. Die Einfahrt ist mit einem Bauzaun zugestellt. Sonst haben wir keine Zugänge entdeckt. Wir parken in der Nähe und inspizieren die Lage zu Fuß. Der Bauzaun ist tatsächlich nur angelehnt. Durch die Hecke wäre noch eine wenn auch beschwerlichere Möglichkeit. Kein Stacheldraht erkennbar. Hintenrum gäbe es auch noch einen Zugang, entlang einer Hecke eines benachbarten Grundstücks. Da sollte man aber möglichst nicht gesehen werden. Vorne natürlich auch nicht, aber das ginge ja doch recht schnell. Wir gehen zurück zum Auto und kommen mit Equipment – Kameratasche, Stativ, Licht – zurück und schieben den Bauzaun ein wenig zur Seite. Schnell aufs Grundstück und schnell aus dem sichtbaren Bereich.

Die Autos auf dem Grundstück stehen schon verdammt lange hier. Viele weisen Unfallschäden auf. Rost und Gammel überall. Schöne Fotomotive. Einige Autos sind aber nicht zu finden. Im Netz stand ein grüner Toyota Sportwagen und ein Porsche. Fehlanzeige. Wir finden einen Eingang ins Haus. Zwar keine offen stehende Tür, aber doch gut zu meistern. Wir sind muksmäuschen still. Sind da Geräusche? Stimmen? Nein, alles still, wir sind allein. Wie lässt sich das Gefühl beschreiben? Erleichtert und glücklich da zu sein, wo man hin wollte, gleichzeitig aber auch in dem Bewußtsein, dass man nicht gesehen und erwischt werden will. Hier sieht uns niemand und wenn wir leise sind hört uns auch niemand. Eigentlich haben wir jede Menge Zeit.

Das Haus, ein stattliches Herrenhaus, ist wohl Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut worden. Es wurde wohl als Zulieferbetrieb zur Elektrifizierung errichtet. Hinweis darauf sieht man an dem deutlich höheren Obergeschoss. Hier wurden Kabel geflochten. Diese Gebäude wurden in Bezirken gebaut um die Oberleitungen zu legen und zu vernetzen. Das dauerte natürlich einige Jahre.
Die spätere Nutzung des Gebäudes ist nicht ganz klar. Im Haus befinden sich viele Einbauteile für Musikanlagen, speziell auch für Autos. Das lässt vermuten, dass hier Autos HiFi-technisch aufgemotzt worden sind. Spuren einer richtigen Autowerkstatt lassen sich aber nicht finden. Und irgendwann aus welchen Gründen auch immer, wurde das Gebäude verlassen, sehr plötzlich, wie die zurückgelassene Wäsche auf einer Wäschespinne vermuten lässt. Seitdem vermüllt das Anwesen. Immer wieder werden Eingänge verriegelt und genauso oft finden Urbexer wieder Schlupflöcher, um hinein zu kommen
Seine beste Zeit hat es leider hinter sich.

Nach zweieinhalb Stunden glauben wir, alles gesehen zu haben. Rückzug. Genau so, wie wir gekommen sind. Das ist nochmal so ein Moment. Wäre zu blöd, wenn man beim Ausstieg irgendwelchen Ordnungshütern in die Arme läuft. Aber alles geht gut, wir gehen zum Auto und genau dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich.

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